Onlinemusikunterricht? Ja!

Viele können sich diese Art des Instrumental- oder Gesangsunterrichts nicht vorstellen, und auch ich hatte zugegebenermaßen anfangs so meine Bedenken. Ich befürchtete eine schlechte Tonqualität, verzögerte Übertragung, mangelnde Konzentrationsfähigkeit vom Schüler und auch von mir als Lehrerin. Und ich muss sagen, dass es mir im ersten Lockdown auch schwer gefallen ist, auf diese Art zu unterrichten. Bei einigen Anbietern funktionierte es nicht richtig, es gab tatsächlich Probleme mit der Übertragung, und es fühlte sich für beide Seiten fremd an und war auch anstrengend.

Durch die Pandemie waren wir alle gezwungen, uns mit dem Medium des Onlineunterrichtes auseinander zu setzen. Der Schulunterricht wurde so abgehalten, Meetings fanden fast nur noch online statt, und sogar Tanzschulen boten ihre Kurse über Videoübertragung an. Mit der Zeit spielte es sich dann doch ein – man hatte bessere Plattformen, hatte gelernt, die Möglichkeiten zu nutzen, die einem technisch zur Verfügung stehen.

Als nach dem ersten Lockdown das Unterrichten wieder in Präsenz möglich war, sollte dies mit Maske und 1,5 Metern Abstand erfolgen. Ich muss sagen, dass mir in dieser Zeit das Unterrichten per Videoübertragung sogar besser gefiel, da ich so die Mimik des Schülers besser mitbekam und man sich trotz der räumlichen Distanz näher fühlte als beim Unterrichten mit Maske und Abstand.

Sicherlich gibt es Stimmen, die dagegen sprechen. Doch es gibt auch einige Vorteile dieser Art des Unterrichts. Der Schüler kann an dem ihm bekannten Instrument spielen. Ich erlebe in meinem Klavierunterricht immer wieder, dass es einigen Schülern extrem schwer fällt, sich auf ein anderes Instrument einzustellen. Gerade der Umstieg von einem E-Piano auf einen akustischen Flügel mit einem komplett anderen Anschlagsgefühl bringt mit sich, dass sich einige Schüler schwer tun und sich im Unterricht gar nicht auf das Geübte konzentrieren können, sondern nur darauf, wie sie mit der unterschiedlichen Haptik zurecht kommen.

Ein weiterer Vorteil liegt gerade für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, auf der Hand: sie können in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und auch dort einen qualitativ hochwertigen Unterricht geliefert bekommen. Menschen mit Behinderung, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind oder einen langen Anfahrtsweg haben, können ihrem Hobby auf diese Weise trotzdem erfolgreich nachgehen. Menschen, die beruflich oder privat zeitlich stark eingebunden sind, haben durch die wegfallende Anfahrtszeit eine Zeitersparnis. Eltern sparen wertvolle Stunden und müssen ihre Kinder nicht in die Musikschule bringen.

In Zeiten von Smartphones und Tablets sind keine besonderen technischen Anforderungen mehr nötig, um einen Unterricht über Videoübertragung erfolgreich durchzuführen.

Natürlich hat der Onlinemusikunterricht auch Nachteile, die ich auch nennen möchte. Bei jüngeren Schülern im Alter zwischen ca. vier und acht Jahren sollte beim Unterricht eine erwachsene Bezugsperson dabei sein. Diese ist nötig, um die Kinder zu unterstützen und gegebenenfalls zur Konzentration zu ermutigen. Auch müssen hier und da die Anweisungen des Lehrers „übersetzt“ werden. Des weiteren kann beim Onlinemusikunterricht kein effektives Zusammenspiel stattfinden. Gemeinsames Musizieren ist schwierig und sollte in einem anderen Rahmen abgehalten werden.

Letztendlich muss jeder Schüler für sich entscheiden, welche Art von Unterricht ihm am besten liegt, und es gibt sicherlich nicht DEN einzig richtigen Unterricht für jeden Menschen. Ein erfolgreicher Unterricht steht und fällt mit dem Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer. Fühlt man sich bei einem Lehrer wohl und verstanden und holt er einen da ab, wo man steht, ist ein Onlinemusikunterricht bei diesem Lehrer sicherlich effektiver und erfüllender als ein Präsenzunterricht bei einem Lehrer, mit dem man nicht so gut zurecht kommt.

Im nächsten Blog werde ich die Methodik des Onlinemusikunterrichts näher erklären und genauer erläutern, wie der Unterricht in der Praxis abläuft.

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